Was ist Heilung?

Was fehlt Ihnen?
Im ursprünglichen keltischen Wortsinne bedeutet "heil" soviel wie "ganz" und "vollständig". Demnach kann Heilung mit "wieder ganz werden" übersetzt werden. So war auch die wichtigste Frage der alten Ärzte an die Patienten "Was haben Sie?", mit der die Frage "Was fehlt Ihnen?" einherging. "Was haben Sie" und "Was fehlt Ihnen" ist dann auch das Raster, in dem wir den Heilungsprozess einordnen. Denn mit dem, was der Patient hat (seine Krankheitssymptome) zeigt er, was ihm fehlt (die Arznei, die er benötigt), um wieder "ganz" zu werden. Wenn er bekommt, was ihm gefehlt hat, dann ist er wieder "heil" und damit gesund.

Unterdrückung ist nicht Heilung
Leider erkennt unsere heutige Schulmedizin die Zeichensprache der Symptome nicht immer als diesen "Hunger nach der Arznei" und damit als ureigene Lebensäußerung des erkrankten Menschen. Sie bewertet sie vielmehr als ein fremdes Übel, das den Menschen von außen befallen hat und durch Operation und Chemotherapien bekämpft und ausgemerzt werden muss. Er betrachtet einzelne Symptome der gleichen Krankheit selektiv nach Organsystemen und sieht in ihnen voneinander unabhängige selbständige Erkrankungen.

Mit seiner Vorgehensweise läuft die Schulmedizin Gefahr, lediglich einzelne Symptome einer Krankheit zu unterdrücken und damit die Krankheit auf tiefere Schichten zu verdrängen. Hier sei der Vergleich mit dem KfZ-Mechaniker erlaubt, der das Problem mit der rotblinkenden Ölleerstandsanzeige seines Autos (Krankheitssymptom) durch das Entfernen der Glühbirne (Operation) löst und damit einen Motorschaden riskiert.

Ganzheitliche Heilung
Dauerhafte Heilung fußt dagegen auf einem ganzheitlichen Gesundheits- und Krankheitsverständnis.

Die Krankheit besteht nicht nur aus der zumeist körperlichen Hauptbeschwerde des Patienten (z.B. Hautausschlag in den Innenbeugen der Gelenke), sondern aus einer ganzen Reihe von weiteren körperlichen, emotionalen und geistigen Symptomen, die für die Schulmedizin nicht bedeutsam sind. Der Mensch ist nicht krank, weil er an einem Hautausschlag leidet, sondern er leidet an Hautausschlag, weil er krank ist.

Deswegen darf wahre Heilung sich nicht darauf reduzieren, nur den Hautausschlag zu beseitigen, wenn es dem Patienten letztendlich schlechter geht, weil er zum Beispiel ein Asthma entwickelt. In unserer ganzheitlichen Betrachtungsweise sind Hautausschlag und Asthma eben Äußerungen der gleichen Erkrankung, die sich aber aufgrund von Unterdrückung auf eine tiefere Organebene (von Haut zur Lunge) verschlimmert hat.

Krankheit sollte deswegen als eine Äußerung des gestörten inneren Gleichgewichts des Erkrankten begriffen werden und Krankheitssymptome als Versuche seiner gestörten Lebenskraft, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen. Therapie sollte sanfte Reize setzen, um die Selbstregulation zur Wiederherstellung des Gleichgewichts anzufachen. Mit Wiederherstellung dieses Gleichgewichts benötigt der Patient die von ihm erzeugten Symptome nicht mehr, mit denen er ja nur diese Störung des Gleichgewichts auszugleichen versuchte.